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Volkstrauertag

 
 

Bedeutung

Im Kirchenjahresverlauf ist der sogenannte Volkstrauertag stets der "vorletzte Sonntag im Kirchenjahr", wie er auch offiziell heißt. Er liegt also immer zwei Wochen vor dem Ersten Advent in der Monatsmitte des Novembers und ist kein originär kirchlicher Feiertag. Als sichtbarer Ausdruck öffentlicher Gedenk- und Erinnerungskultur wird dieser Sonntag heute als Tag des mahnenden Gedenkens vor den Auswirkungen von Krieg und Gewaltherrschaft in Kirchen und öffentlichen Einrichtungen begangen. Häufig folgt einem Gottesdienst mit entsprechendem Gedenken eine Feierstunde in öffentlichen Räumen mit Lesungen, Ansprachen und Musik. An Ehrenmälern für die Opfer von Krieg und Gewalt werden Trauerkränze und Blumen niedergelegt. Um den Volkstrauertag herum findet seit 1980 die Ökumenische Friedensdekade statt (vom drittletzten Sonntag des Kirchenjahres bis zum Buß- und Bettag vor dem Ewigkeitssonntag). Sie greift thematisch die Inhalte des Volkstrauertages auf und stellt diese in einen Bezug zur Gegenwart.

 

Erstmals wurde ein Volkstrauertag 1922 mit einer Feierstunde im Reichstag begangen. Der damalige Reichstagspräsident Paul Löbe mahnte in Erinnerung an die vielen Gefallenen des Ersten Weltkrieges (1914-1918): "Leiden zu lindern, Wunden zu heilen, aber auch Tote zu ehren, Verlorene zu beklagen, bedeutet Abkehr von Hass, bedeutet Hinkehr zur Liebe, und unsere Welt hat die Liebe not." Angeregt hatte diesen Tag der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge, der 1919 gegründet worden war, um der vielen Kriegstoten zu gedenken und die unzähligen Kriegsgräber würdevoll zu pflegen. Auch ohne gesetzliche Festlegung wurde dieser Feiertag schnell eine Institution mit Tradition. 1934 funktionierten die Nationalsozialisten den Tag zum Staatsfeiertag um, den sie "Heldengedenktag" nannten und auf den 16. März verlegten. Die versöhnende Idee der ursprünglichen Initiatoren blieb bei diesen militaristischen und nationalistischen Propagandaveranstaltungen völlig auf der Strecke. Nach den grauenvollen Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) wurde der Volkstrauertag im Sinne eines würdevollen Gedenktages in der jungen Bundesrepublik wiederbelebt. In klarer Abgrenzung zum propagandistischen "Heldengedenktag" verlegte man den Termin 1952 in den November. Seit 1969 ist der Volkstrauertag in Niedersachsen durch Landesgesetz geschützt. So sind alle öffentlichen Unterhaltungsveranstaltungen nicht erlaubt,  "außer wenn sie der geistig-seelischen Erhebung oder einem höheren Interesse der Kunst, Wissenschaft oder Volksbildung dienen und auf den ernsten Charakter des Tages Rücksicht nehmen". (NfeiertagsG, §6, Absatz 2).

 
 

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