| |
Bedeutung |
|
Das
Christfest ist das jüngste Christusfest der
Kirche, es wurde zunächst am 6. Januar gefeiert
(=>Epiphanias). Das Lukasevangelium erzählt,
dass Maria "ihren ersten Sohn gebar und
wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine
Krippe, weil sie in der Herberge keinen Platz
fanden" (2, 7).
Im
Volksmund hat sich für dieses Fest der Name
"Weihnachten" durchgesetzt. Die
Herkunft des Begriffes ist umstritten; der früheste
Beleg stammt aus dem Jahr 1190 in einem Text des
bayerischen Minnesänger Herger (Spervogel I):
"Er ist gewaltic unde starc,
der ze wîhen naht geborn wart.
daz ist der heilige Krist,
jâ lobt in allez, daz dir ist."
(Minnesangs
Frühling VII. IV; 1.1-4).
Das Grimm'sche Wörterbuch nennt aus der
gleichen Zeit eine parallele Formulierung:
"diu gnâde diu anegengete sih an dirre
naht: von diu heizet si diu wîhe naht",
"Die Gnade kam zu uns in dieser Nacht:
deshalb heißt sie nun Weihnacht". Die
"wîhen naht" wird dabei als Übertragung
des lateinischen "nox sancta",
"heilige, geweihte Nacht", verstanden.
In den romanischen Sprachen entwickelte sich
daraus "natale", "navidad"
oder "noel".
Andere
Quellen weisen darauf hin, dass der Begriff
heidnischen Ursprungs ist: Sebastian Franck
schreibt in seiner "Germaniae chronicon"
1538: "das dieser heydnisch nam [Ostern]
und standt nicht von Petro, sonder von den
heyden in das christenthumb ist kommen, wie auch
die fasznacht, weinnacht etc." *
So begründet sich die These, dass das Wort
Bezug nimmt auf die "Raunächte", die
12 Nächte, die mit der Nacht vom 24. auf den
25. Dezember beginnen und in denen damals die
germanischen Priester, die Druiden,
Weihehandlungen vornahmen, um die Menschen vor
dem Zugriff der Finsternis, dem Lebensbereich
der Dämonen, zu schützen. Luther dachte an
"wiegen" und sprach von "Wygenachten",
"da wir das kindlein wiegen" **.
Von Theodor Storm stammt dann das Verb: "Es
weihnachtet sehr" ***.
Das Wort "Weihnachten" soll heute
christlich die durch die Geburt Jesu geweihte
Nacht bezeichnen.
Sicher
auf vorchristliche Ursprünge zurück geht der
heutige Termin des Festes. Die Germanen feierten
damals ihr Mittwinterfest oder Julfest, das
zugleich ein Toten- und Fruchtbarkeitsfest war.
Im vorderasiatischen Mithraskult wurde an diesem
Tag die Geburt des indischen Lichtgottes
gefeiert. Bei den Ägyptern wurde mit dem
Isiskult die Geburt des Horus auf diesen Tag
gelegt. Die Römer begingen an diesem Tag
feierlich ihre "Saturnalien" zu Ehren
des Gottes Saturn, des unbesiegbaren
Sonnengottes - im julianischem Kalender fiel die
Wintersonnenwende auf den 25. Dezember. Kaiser
Aurelian (270 - 275) hatte den 25. Dezember als
Geburtstag des "Sol Invictus", des
"Unbesiegten Sonnengott" feiern
lassen. In der Zeit der längsten Nächste des
Jahres hatten die Menschen das Gefühl, den dämonischen
Mächten besonders ausgesetzt zu sein; deshalb
wurde die Zeit nach der Wintersonnenwende, wenn
die Tage wieder länger werden, zur besonderen
Festzeit, in der der Sieg der Sonne des Lichtes
über die Finsternis gefeiert wurde. Die
Christenheit, die Jesus als "das Licht der
Welt" (Johannesevangelium 8, 12) verkündigt,
hat so die römische Tradition übernommen.
Clemens von Alexandria sagte von Christus, er
sei die "Sonne der Auferstehung".
Schon
Gegenpapst Hippolyt versuchte ums Jahr 217, all
diese Kulte damit zu beseitigen, dass er das
Fest der Geburt Christi auf den 25. Dezember
verlegte. Durchsetzen konnte dies aber erst
Papst Liberius im Jahr 354: der 25. Dezember
wird erstmals ausdrücklich vom Kalligraphen
Furius Dionysius Filocalus im "Chronographus
anni 354" genannt, einem Handbuch, in dem
sich Verzeichnisse der römischen Konsulen,
Stadtpräfekten und Bischöfe, eine Ostertafel,
eine Weltchronik, eine Stadtchronik und
Beschreibung der Stadt Rom, ein Kalender und ein
Verzeichnis der Gedächtnistage der römischen
Bischöfe und Märtyrer befindet, wobei Teile
wohl der aus dem Jahre 334 stammenden
Weltchronik des Hippolyt entnommen sind.
>
Seitenanfang
|
|
 |
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
Von
Rom aus hat sich die Tradition schnell
ausgebreitet: Bereits 360 wurde das Fest der
Geburt Jesu in Nordafrika, um 370 in
Oberitalien, ab 375 im Orient, nach 380 in
Spanien gefeiert. Zum Dogma wurde der Termin als
Geburtstag Christi im Jahr 381 auf dem 1.Konzil
von Konstantinopel erklärt. 562 wurde die
Einweihung der Hagia Sophia in Konstantinopel -
dem heutigen Istanbul - in der Weihnachtsnacht
gefeiert. Im 7./8. Jahrhundert setzte sich
dieser Festtag auch in Deutschland durch, die
Synode von Mainz erklärte 813 diesen Tag
offiziell zum "festum nativitas
Christi". Mit ihm begann damals das
Kalenderjahr; der 1. Januar wurde erst mit Einführung
des Gregorianischen Kalenders im 16. Jahrhundert
zum Jahresbeginn. Der 25. Dezember blieb der Tag
der Feier der Geburt Christi, obwohl seit Einführung
des gregorianischen Kalenders die
Wintersonnwende am 21. Dezember ist.
Seit
dem 4. Jahrhundert gab es in Katakomben
Malereien mit dem Kind zwischen Ochs und Esel,
teilweise auch mit Hirten. Erst später kamen
Bilder, auf denen auch Maria und die Weisen zu
sehen sind. Im 7. Jahrhundert wurde in der
Kirche Santa Maria Maggiore in Rom eine
Holzkrippe aufgestellt, in Italien waren Krippen
um 1478 weit verbreitet, nach Deutschland kamen
Krippen Mitte des 16. Jahrhundert durch den
Jesuitenorden. 1537 sind Krippen zum
Weihnachtsfest nachgewiesen in Brügge in
Belgien, 1562 in Böhmen, 1595 in Japan, 1599 in
Ostindien, 1601 in Altötting, 1607 in München.
Die
Sitte, grüne Tannenzweige ins Haus zu stellen,
tauchte erstmals 1494 in Sebastian Brants
"Narrenschiff" auf. Aus dem Jahr 1535
ist überliefert, dass in Straßburg kleine
Eiben, Stechpalmen und Buchsbäumchen verkauft
wurden, die in den Stuben aufgehängt wurden;
1605 soll es einen mit Äpfeln geschmückten,
aber noch kerzenlosen Weihnachtsbaum in Straßburg
gegeben haben. 1597 schmückte die
Handwerkerzunft von Bremen erstmals einen
Christbaum zur Weihnachtszeit. 1611 soll in
Schlesien der erste kerzengeschmückte
Tannenbaum im Schloss der Herzogin Dorothea
Sybille von Schlesien gestanden haben. Im 18.
Jahrhundert verbreitete sich die Sitte, einen
Tannenbaum aufzustellen; so berichtete
Lieselotte von der Pfalz 1708 von einem Buchsbäumchen
mit Kerzen. Goethe lernte den Weihnachtsbaum
1770 in Straßburg kennen, in Berlin soll der
erste Weihnachtsbaum um 1780 aufgetaucht sein. Für
das Jahr 1813 werden erste Weihnachtsbaüme aus
Wien gemeldet, 1815 aus Danzig. Schnell breitete
sich der Brauch weltweit aus, man schmückte die
Bäume mit Papierrosen, Oblaten, Dörrobst, Äpfeln,
Zuckerstücken usw., erst später auch mit
Kerzen. Nach Amerika kam der Weihnachtsbaum
durch die deutschen Auswanderer, 1891 wurde
erstmals ein Lichterbaum vor dem Weißen Haus in
Washington aufgestellt.
Bereits
um 1450 beschenkte man Kinder in Konstanz am
Weihnachtstag, die Bescherung war aber
eigentlich mit dem Tag des Nikolaus verbunden.
Die Bauern bezogen Tiere und Bäume in das
Brauchtum mit ein, sie erhielten Äpfel, Nüsse,
Brot als Leckerbissen. "Lebkuchen"
haben ihren Namen aus dem Althochdeutschen,
"leb" bedeutet Heil-, Arzneimittel;
die Klöster hatten früher Gärten mit Heilkräutern,
das daraus bereitete Gebäck aus besonders
wohlschmeckenden Heilkräutern und -säften
wurde am Christfest von den Klöstern als
"Lebkuchen" verteilt. "Pfeffernüsse"
wurden mit dem früher sehr teuren
orientalischen Gewürz gebacken, man konnte sie
sich nur zu einem besonderen Fest leisten.
Die Reformierten Kirchen lehnten das Weihnachtsfest früher als
"Brauchtum", das nichts mit Christus
zu tun hat, ab. Lutherische Christen bestehen
auf dem Namen "Christfest", weil die
Bezeichnung Weihnachten undeutlich ist. Die östlichen
Kirchen stellten seit jeher die Theophanie, die
Erscheinung Gottes, am 6. Januar in den
Mittelpunkt; dieser Gedenktag ist älter als das
Weihnachtsfest. Gregor von Nazianz unterschied
in den Jahren 380 und 381 erstmals Epiphanias
als Fest der Taufe Jesu von Weihnachten mit dem
Schwerpunkt der Geburt. Antiochien übernahm
kurze Zeit später das Weihnachtsfest, wie ein
Predigt von Johannes Chrysostomos aus dem Jahre
386 belegt. Die Jerusalemer Kirche lehnte das
Weihnachtsfest bis ins 6. Jahrhundert ab, die
Armenische Kirche hat es bis heute nicht übernommen
und hält am 6. Januar fest. Die Orthodoxen
Kirchen mit gregorianischem Kalender feiern
Weihnachten am 25. Dezember; auch die Orthodoxen
mit julianischem Kalender feiern an ihrem 25.
Dezember, dem 7. Januar gregorianischer
Rechnung. Am Sonntag nach Weihnachten feiert die
katholische Kirche das Fest der Heiligen
Familie.
Quelle:
ekd
|
|
 |
|
|
|
|
|
|
|